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04. Oktober 2010: "1-Cent-Texter"


"Das Internet ist hungrig nach guten Texten", sagte meine Freundin.

Sie arbeitet seit Jahren erfolgreich als Texterin und war mir eine große Hilfe bei meinen ersten Schritten auf dem freien Text-Markt. Mittlerweile bestätigen das auch meine Erfahrungen. Es ist gar nicht so schwer, an gute Aufträge zu kommen. Gerade erst musste ich einen ausschlagen, weil meine freien Kapazitäten für die geforderte Textmenge einfach nicht ausreichten.
Wir drückten uns gegenseitig unser Bedauern aus. Dabei schrieb der Auftraggeber sinngemäß, er fände es gut, dass ich den Auftrag nicht trotzdem angenommen und an "1-Cent-Texter" weitergeleitet habe, deren Qualität (so seine Worte) oft unterirdisch sei.

Diese Aussage gab mir zu denken.

Auch ich hatte bereits solche Angebote von anderen Textern - doch ich wäre nie auf die Idee gekommen, sie anzunehmen. Selbst als Anfänger hat man gute Chancen, besser bezahlte Aufträge zu bekommen. Die Textagentur, für die ich geschrieben habe, bietet im Minimum 1,5 - 2 Cent pro Wort.
Natürlich muss man dabei seine Qualität nachweisen, aber die Bewertung jedes einzelnen Textes und das Feedback der Lektoren ist eine gute Möglichkeit, seine Fähigkeiten beständig zu verbessern.

Warum also sollte man freiwillig für weniger arbeiten?

Weil die Anforderungen an die Qualität lästig sind? Weil sie mehr Zeit erfordern und man einfach so viel mehr 1-Cent-Texte schreiben kann, dass es sich finanziell dann doch wieder lohnt?
Das würde allerdings bedeuten, dass die Zweifel an der Qualität solcher Texte wirklich berechtigt sind. Und ob das im Interesse des Texters liegt, der diesen Auftrag weiter gibt?
Natürlich verdient er auf diese Weise auch, ohne selbst zu schreiben. Aber schließlich geht es um seinen Ruf, um seine Reputation.

Nun, ich muss nicht alles verstehen. So etwas entscheidet jeder für sich selbst und lebt dann mit den Konsequenzen. Und da selbst namhafte Texter diese Praxis ausüben, scheint sie wohl doch irgendwie sinnvoll zu sein.

Ich weiß nur, dass dies nicht mein Weg ist. Lieber entgeht mir ein Auftrag, als dass ich einem Auftraggeber Texte liefere, die meinen Qualitätsansprüchen nicht genügen. Denn ich denke, auf lange Sicht wird sich das auszahlen.