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05. November 2010: Über den Ehrgeiz beim Recherchieren


Gerade schreibe ich an Städteprofilen von kroatischen Küstenorten. Ein sehr schönes Thema: Sommer, Meer und Strand … jeden Tag ein wenig Sonne gegen das triste Schmuddelwetter vor der Haustür. Da bereitet schon das Recherchieren Freude. Welche Ausflugsmöglichkeiten gibt es in Zadar? Wo badet man am besten in Trogir? In welchen Restaurants Biograds gibt es den leckersten Fisch? Immer wieder stoße ich dabei auf widersprüchliche Angaben.

Zugegeben - die Antwort auf Fragen wie die oben gestellten sind von vorn herein subjektiv. Da kann ich nur versuchen, aus der Vielzahl von auffindbaren Meinungen einen gemeinsamen Grundtenor herauszufiltern. Schon das erfordert einen gewissen Rechercheaufwand.

Schwieriger wird es dann aber bei Zahlen und Fakten, wie die Größe eines Ortes oder das Alter eines Bauwerks. Häufig widersprechen sich dabei die Angaben.

Das mag zum einen an Übersetzungsproblemen liegen. Davor sind nicht einmal die offiziellen Webpräsenzen der betreffenden Orte gefeit. Da ich kein Kroatisch kann, bin ich auf das Kauderwelsch angewiesen, das Übersetzungsprogramme in der Regel zu liefern pflegen. Kaffeesatzlesen bringt da manchmal genauere Angaben.

Deutschsprachige Seiten hingegen beziehen sich oft auf Texte, die sich auf Texte beziehen, die sich … Punkt, Punkt, Punkt ... Das Ganze ist beliebig fortsetzbar und die Ungenauigkeiten werden immer größer.

Und dann gibt es auch noch das Problem mit veralteten Webinhalten. Da recherchierte ich kürzlich zum Beispiel dermaßen lange über die Marina Vinisce, dass mir der Gedanke an meinen Wortpreis beinahe Tränen in die Augen trieb. Wie viele Liegeplätze hat sie denn nun genau? Welche der Angaben entspricht verdammt noch mal der Wahrheit? Dann stieß ich endlich auf die klitzekleine, eigentlich gar nicht öffentliche Mitteilung, dass sie im September diesen Jahres polizeilich geschlossen wurde. Nähere Angaben nur für Mitglieder des Segelclubs. Danke! Hätte ich mich damit begnügt, effektiv zu denken und die Anzahl der Liegeplätze einfach über den Daumen zu peilen, hätte ich den unzähligen ungeprüften Informationen des Internets eine weitere, völlig falsche hinzugefügt.

Wie weit also kann man, muss man bei seinen Recherchen gehen, um wirtschaftlich zu arbeiten?

Ich habe das Glück, dass mein Auftraggeber den Wert sauber recherchierter Texte zu schätzen weiß und bereit war, meinen Wortpreis nachträglich zu erhöhen. Die Regel ist das nicht. Und eigentlich könnte es einem Texter ja auch egal sein. Schließlich steht in den seltensten Fällen sein Name unter den Artikeln. So lange der Auftraggeber also zufrieden ist …

Genau DAS aber kann ich nicht. Mein Ehrgeiz , beste Qualität zu liefern, überwiegt dann doch über wirtschaftliches Denken.

Und – um ehrlich zu sein - finde ich das gut.